|
|
|
Dass dieses Buch mit seiner sehr hilfreichen
Charaktertypologie von mir unter dem Projekt "Souverän"
angesetzt ist, hat einen handfesten Grund. Das größte
Handicap jeder freiheitlichen Gesellschaft ist das noch
weitgehend unbewusste Verständigungsproblem zwischen den ihrer
selbst nicht bewussten veranlagungsbedingten Machtmenschen -
insbesondere den sympathischen, denen man es nicht anmerkt -
und den Nichtmachtmenschen. Die unterschiedliche
Lebenswahrnehmung ist für den jeweils anderen ähnlich schwer zu fassen wie zwischen
Mann und Frau. Im Grunde ist es schwerer, weil die Biologie
zwischen Mann und Frau eine Unterscheidung
unmissverständlich kundtut. Wohingegen ein Machtmensch
einem gleichgeschlechtlichen Nichtmachtmenschen permanent
die eigene Machtprojektion überstülpen und ihn damit
unterdrücken kann, weil letzerer sich das Machtgehabe in
keiner Form erdenken kann und lange nicht versteht, was
wirklich an ihm geschieht.Er lässt mit sich machen, solange
es gut geht. Aber auch der Machtmensch, der sich nichts
anderes denken kann, versteht nicht, was er dem
Nichtmachtmenschen antut. Er macht einfach, solange es gut
geht.
Zwar wird in dem Buch eine
solche einfache Einteilung in nur zwei große Charaktergruppen nicht
vorgenommen, gleichwohl ziehen sie sich erkennbar durch
die neun Gesichter der Seele. Diese können sehr dazu
beitragen, uns unserer Not bewusst zu werden, die
so sehr andere Lebenswahrnehmung des jeweils Anderen
überhaupt in den Blick bekommen zu können und diese
fundamentale gesellschaftliche Schwachstelle zu überwinden,
die bislang dafür gesorgt hat, dass Kriege noch immer nicht
der Vergangenheit angehören. Es sind weitestgehend
noch immer vor allem die Machtmenschen, die gemäß ihrer
einseitigen Lebenswahrnehmung Macht organisieren, die
gesellschaftlichen Dinge deuten und prägen und die Gesetze
machen, weil in der Regel nur sie auch in Machtposten
gelangen. Erst die Demokratie ist im Begriffe auf
politischer Ebene die Gewichte gerechter zu verlagern und
Gleichgewicht im Machtgefüge und in der daraus folgenden
sozialen Erkenntnis herzustellen.
Die Klöster haben mit dem Gelübde des Gehorsams intuitiv
immer schon - zwar erst nur von außen gesteuert -, aber
doch einen heilsamen Ausgleich zwischen diesen beiden Polen
und ihren Blindheiten ermöglicht, wenngleich auch hier die
Machtmenschen leichter als die Nichtmachtmenschen in
Verantwortung gelangen, weil erstere das immer von Natur aus
besser können. Im alltäglichen Tun aber wurde der
Ausgleich durch die klösterlichen Regeln bereits relativ
gut verwirklicht. Der aber muss jetzt - und kann auch -
immer mehr frei und bewusst vom Inneren des Menschen her
möglich werden. |
|
|